PM: Ein winziger Schritt nach vorn in Mittelsachsen

Notunterkunft in Rossau wird geschlossen

Das Rossauer kommunale Erstverteilungszentrum, vom Landkreis auch als Notunterkunft bezeichnet, wird geschlossen. Dort untergebrachte Geflüchtete hatten die Unterbringungssituation im Juli vergangenen Jahres kritisiert. Der Sächsische Flüchtlingsrat warf dem Landkreis Mittelsachsen vor, Menschen unwürdig unterzurbringen. Prompt folgte ein Hausverbot. Die Idee, kommunal ein zweites Mal „erstzuverteilen“, war in Sachsen einmalig.

„Das hätte auch ein Jahr früher passieren können“ kommentiert Mark Gärtner für den Sächsischen Flüchtlingsrat e.V. „Ein kommunales Erstverteilungszentrum ist eine zweifelhafte Idee. Das Ankommen wird dadurch nur unnötig verzögert.“ In der Tat müssen Geflüchtete mit so einer Regelung mindestens zweimal umziehen – von der landeseigenen Erstaufnahme in die Kommune, und, wie in Mittelsachsen, dann nochmal von Rossau in die eigentliche Unterkunft. Umso erfreulicher ist es nun, dass voraussichtlich im Oktober die auch als „Notunterkunft“ deklarierte Unterkunft in einer Fabrikhalle geschlossen wird. Ein Fortschritt – damit bewegt sich Mittelsachsen nun im Kreis der Kommunen, die „nur“ deswegen zu kritisieren sind, weil sie die dezentrale Unterbringung nicht voranbringen. Mit einer Quote von knapp 50% dezentral untergebrachter Schutzsuchender bildet Mittelsachsen gemeinsam mit den Landkreisen Bautzen, Görlitz und der Stadt Leipzig das Schlusslicht bei der dezentralen Unterbringung.

Von Mittelsachsen ist nach wie vor keine progressive Unterbringung zu erwarten

„Dabei bleibt Mittelsachsen in den Standards der Unterbringung zurück“ so Gärtner. „Auch die Unterkunft in Mobendorf ist mit ihrer absolut abgelegenen Lage und ihren Baracken kein Ort, in dem allein schon die viel gewünschte Integration gelingen kann. Den besonderen Bedürfnisse Schutzsuchender kann in so einer Unterkunft gleich gar nicht entgegengekommen werden.“ Der dritte, wünschenswerte Umzug in die eigene Wohnung bleibt in Mittelsachsen häufig nur nagende Sehnsucht – das Landratsamt kündigte an, die in Rossau untergebrachten Geflüchteten auch nach Mobendorf verlegen zu wollen. Tatsächlich ist fraglich, ob sich Landrat Matthias Damm von solcher Kritik beirren lässt. Im Interview mit der Freien Presse im August vergangenen Jahres verkündete der Chef der unteren Unterbringungsbehörde, er fühle sich nicht für Integration zuständig. Die Frage ist: Wo, wenn nicht bei der Unterbringung wird die Basis dafür gelegt, dass Menschen ankommen können?