SFR Newsletter: Ausgabe 1/2026

 

 

Dresden – Leipzig, 30.04.2026

 

Liebe Leser*innen,

lange nichts von uns gehört, oder? Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich im Zug von Leipzig nach Dresden. Draußen scheint bereits die warme Frühlingssonne so hell, dass ich zur Sonnenbrille greifen muss, und hinter mir diskutiert eine Gruppe Jugendlicher ihre Pläne für das lange Wochenende rund um den Tag der Arbeit. Zugegeben – keine ganz typische Zeit und Ort, um den ersten Newsletter des Jahres zu verfassen.

Zunächst möchte ich mich im Namen des Sächsischen Flüchtlingsrats (SFR) dafür entschuldigen, dass ihr so lange nichts von uns gehört habt. Auch wenn es nach außen ruhig war, ist intern viel passiert: Zum Jahreswechsel 2025/2026 mussten wir ungefähr ein Drittel aller Mitarbeiter*innen verabschieden, da verschiedene Projekte keien Weiterförderung erhielten. Die wenigen noch bestehenden Projekte laufen weiter auf Hochtouren und bewirken spürbare Veränderungen. Einige Highlights daraus findet ihr weiter unten in diesem Newsletter. Gleichzeitig dürfen wir neue Projekte und neue Kolleg*innen in unserem Team begrüßen.

Einer dieser „neuen Kollegen“ bin ich – die Person hinter dieser Ausgabe (und hoffentlich vielen weiteren). Deshalb möchte ich mich kurz vorstellen:

Hallo! Mein Name ist Serhii, ich bin 31 Jahre alt und stamme ursprünglich aus der wundervollen ukrainischen Hauptstadt Kyjiw. Meine Verbindung zu Sachsen begann im Jahr 2015, als ich für mein Masterstudium nach Leipzig zog. Nach meinem Studium habe ich mehrere Jahre am Leibniz-Institut für Länderkunde (IfL) in Leipzig gearbeitet und dort zu internationaler Migration und Integration in Europa sowie zu Alltagsmobilität und Immobilität geforscht.

So bereichernd diese Zeit auch war, entstand bei mir – wie bei vielen in der Wissenschaft – der Wunsch, gesellschaftlich direkter und praxisnäher wirken zu können. Umso dankbarer bin ich dem SFR für die Möglichkeit, nun genau das zu tun: die Arbeit der Organisation zu unterstützen und ihre Öffentlichkeitsarbeit mitzugestalten.

In den ersten Wochen hier hat mich vor allem eines beeindruckt: das enorme Engagement meiner Kolleg*innen, ihre Empathie gegenüber den Menschen, die sich an uns wenden, und ihre unerschütterliche Überzeugung, dass Veränderung möglich ist. Ich freue mich sehr, Teil davon zu sein. Gerade in herausfordernden Zeiten wie diesen ist Unterstützung wichtiger denn je. Wenn ihr unsere Arbeit stärken möchtet, habt ihr dazu verschiedene Möglichkeiten – sei es durch eine Spende oder durch ehrenamtliches Engagement. Weitere Informationen findet ihr hier: Mitmachen!

Nachdem ich mich nun vorgestellt habe, möchte ich auch euch besser kennenlernen – unsere Leser*innen. Es gibt nicht den einen richtigen Weg, einen Newsletter zu gestalten. In der Vergangenheit hat der SFR unterschiedliche Ansätze ausprobiert. Nach der längeren Pause möchten wir dieses Format neu denken – und zwar gemeinsam mit euch. Denn am Ende soll dieser Newsletter genau das bieten, was euch interessiert, bewegt und informiert.

Wie könnt ihr dazu beitragen? Ganz einfach: Nehmt euch ein paar Minuten Zeit und beantwortet unseren kurzen, anonymen Fragebogen. Eure Rückmeldungen helfen uns dabei, Inhalte und Formate gezielt auf eure Bedürfnisse abzustimmen.

Den Fragebogen findet ihr hier.

Vielen Dank im Voraus – und denkt daran: Jede einzelne Antwort zählt.

Und jetzt zu den Nachrichten aus unseren Projekten!

Berichte aus dem Verein

Projekt RESQUE – Qualifizierung der Jobcenter als Schlüssel zur Integration

Ein Schwerpunkt unserer Arbeit im ersten Quartal 2026 lag im Projekt RESQUE auf der intensiven Zusammenarbeit mit den sächsischen Jobcentern. Neben der individuellen Beratung von Geflüchteten ist die Qualifizierung der Arbeitsverwaltung ein zentraler Hebel für nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt – und genau hier setzen wir an. In mehreren Städten konnten wir umfangreiche Schulungen durchführen, die sowohl rechtliche Grundlagen zu Flucht, Asyl, Bildung und Arbeit als auch Fragen der Teilhabe für Menschen mit Behinderung im Kontext von Migration behandeln. Insgesamt wurden allein in Dresden, Leipzig, Chemnitz und Nordsachsen über 200 Mitarbeiter*innen geschult. Besonders erfreulich war dabei die große Nachfrage sowie das durchweg positive Feedback aus den Teams vor Ort. Die Schulungen schaffen nicht nur mehr Sicherheit im Umgang mit komplexen Fällen, sondern tragen auch dazu bei, strukturelle Hürden abzubauen und Handlungsspielräume besser zu nutzen. Und weil guter Austausch keine einmalige Sache ist, geht es im zweiten Quartal direkt weiter: Weitere Schulungen sind bereits in Planung. Unsere Angebote stehen – je nach Kapazität – allen Akteur*innen in Sachsen offen, die an der Arbeitsmarktintegration Geflüchteter mitwirken.


Projekt „Perspektive Bleiberecht“ – Aufmerksamkeit, Anerkennung und Neustart

Das Jahr begann für unser Projekt „Perspektive Bleiberecht Dresden“ mit einer besonderen Überraschung: der Nominierung für die Innovation in Politics Awards 2026 in den Kategorien „Local Empowerment“ und „Regional Development“. Diese Anerkennung unterstreicht die Relevanz des Projekts, das zeigt, wie erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Verwaltung und Zivilgesellschaft konkret aussehen kann. Auch auf anderer Ebene erhielt das Modellprojekt Aufmerksamkeit: Die Initiative ProjectTogether stellte „Perspektive Bleiberecht Dresden“ im Re:Form-Newsletter vor und machte damit einem breiteren Publikum zugänglich, wie innovative Ansätze in der Praxis funktionieren können. Während wir uns über diese Sichtbarkeit freuen, richten wir gleichzeitig den Blick nach vorn: Ab Mai nimmt auch „Perspektive Bleiberecht Leipzig“ seine Arbeit wieder auf. Damit wird ein bewährter Ansatz fortgeführt und weiterentwickelt – mit dem Ziel, noch mehr Menschen auf ihrem Weg zu einem gesicherten Aufenthaltsstatus zu unterstützen. Kurz gesagt: Das Projekt wächst, wird gesehen und bleibt in Bewegung.


Projekt RISE – Mehr als Beratung: Schutz, Empowerment und neue Zugänge

Mit RISE – Resilience, Inclusion, Support, Empowerment ist Anfang des Jahres ein neues, internationales Projekt gestartet, das deutlich macht: Unterstützung für migrantische Frauen braucht mehr als einzelne Angebote – sie braucht vernetzte Strukturen. Gemeinsam mit dem Ausländerrat Dresden e.V. und der Fundación Red Incola arbeiten wir bis 2028 daran, Frauen mit Flucht- und Migrationserfahrung gezielt zu stärken – insbesondere jene, die von geschlechtsspezifischer oder häuslicher Gewalt betroffen sind. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht nur Schutz und Stabilisierung, sondern auch langfristige Perspektiven und echte Handlungsspielräume.

RISE verbindet verschiedene Ansätze: von spezialisierten Unterstützungsstrukturen über Selbsthilfeformate und psychosoziale Angebote bis hin zu Trainings für Fachkräfte und gezielter Netzwerkarbeit. Ein Teil davon ist auch unsere migrationsrechtliche Beratung – in Dresden und Leipzig sowie mobil im ländlichen Raum. Sie ist jedoch bewusst eingebettet in ein größeres Konzept, das Hürden abbauen und Zugänge erleichtern soll, gerade dort, wo Unterstützung oft schwer erreichbar ist. Ziel ist es, Vertrauen zu schaffen, Wissen zugänglich zu machen und Frauen nachhaltig zu stärken – nicht punktuell, sondern strukturell.


Projekt IBAS Chemnitz – Planungssicherheit für Beratung und Perspektiven

Manchmal sind es genau die Nachrichten, die auf den ersten Blick unspektakulär wirken, die langfristig den größten Unterschied machen. Umso mehr freuen wir uns, dass der Sächsische Flüchtlingsrat erneut die Förderzusage für die Anerkennungs- und Qualifizierungsberatung Chemnitz im Rahmen des IQ Netzwerk erhalten hat. Konkret bedeutet das: Die IBAS Chemnitz kann ihre Arbeit für weitere drei Jahre – bis Ende 2028 – fortsetzen. Für viele Zugewanderte und Geflüchtete ist die Anerkennung ihrer im Ausland erworbenen Qualifikationen ein entscheidender Schritt, um beruflich anzukommen. Genau hier setzt die Beratung an: Sie unterstützt dabei, Verfahren zu verstehen, Hürden zu überwinden und passende Wege in den Arbeitsmarkt zu finden. Die verlängerte Förderung schafft dabei nicht nur Stabilität für das Projekt selbst, sondern auch für die Menschen, die auf diese Unterstützung angewiesen sind. Denn Integration ist kein kurzfristiger Prozess – sie braucht Zeit, Kontinuität und verlässliche Strukturen. Und genau das können wir hier weiterhin bieten.


Und um diesen Newsletter mit einer positiven Note abzuschließen, hier ist eine Geschichte über eine erfolgreiche Beratung, die Conny im Rahmen des IBAS-Chemnitz-Projekts erlebt hat:

„Ein Beratungshighlight für mich war die Beratung / Begleitung eines Ratsuchenden aus der Türkei.

Er hat ein berufliches Abitur. Auf seinem Zertifikat steht, sein Beruf ist „Musterhersteller“. Im Bescheid schreibt die IHK FOSA der Beruf heißt „Bekleidungsherstellungstechnologe, Modellmaschinenwesen“.

Wir haben den Antrag IHK FOSA vorbereitet. Er hat den Antrag gestellt. Ich hatte nicht viel Hoffnung, auf ein positives Ergebnis. 

Aber: Wichtig ist die Anerkennung auch für seinen Aufenthalt, weil er den Asylantrag auf Anraten eines Anwalts / einer Anwältin zurückgezogen hat und er für die Beantragung eines anderen Aufenthalts sowohl die Anerkennung als auch einen Arbeitgeber braucht. 

Oft entscheidet die IHK FOSA, dass eine teilweise Gleichwertigkeit vorliegt und für die volle Gleichwertigkeit Defizite ausgeglichen werden müssen. In seinem Fall war alles ok: volle Gleichwertigkeit und die Anerkennung konnte bescheinigt werden. Seine Qualifikation ist gleich mit dem Beruf Maschinen- und Anlagenführer.🎉“


Vielen Dank, dass du bis zum Ende gelesen hast. Bitte vergiss nicht, den Fragebogen auszufüllen.

Tschüss und bis zur nächsten Ausgabe!

Herzliche Grüße
Serhii
(im Namen des SFR)

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