PM. Netzwerk Tolerantes Sachsen warnt vor Schwächung der Integrationsarbeit

Wurzen, 13. August 2026

Mit der Veröffentlichung der Förderrichtlinie „Integration von Zugewanderten“ hat der Freistaat Sachsen die Weichen für die Integrationsförderung bis Ende 2028 gestellt. Die neue Richtlinie gilt ab 1. Juli 2026 und läuft am 31. Dezember 2028 wieder aus. Das Netzwerk Tolerantes Sachsen begrüßt zwar die Fortführung wichtiger Förderbereiche wie Sprachförderung und Mentoring, sieht jedoch erhebliche Risiken für die Integrationsarbeit vor Ort.

Besonders kritisch bewerten die Sprecher_innen des Netzwerks den Wegfall der bisherigen integrationsfördernden Einzelprojekte. Während diese in der bis Juni 2026 geltenden Vorgängerrichtlinie „Integrative Maßnahmen“ mit bis zu 140.000 Euro und in begründeten Ausnahmefällen sogar mit bis zu 500.000 Euro gefördert werden konnten, sind im neuen Förderbereich „Willkommenskultur“ (Säule C der Richtlinie) nur noch Projekte mit einer Fördersumme von bis zu 30.000 Euro möglich. Nach Einschätzung des Netzwerks reicht dies nicht aus, um langfristige Angebote und verlässliche Strukturen zu sichern.

„Viele erfolgreiche Integrationsprojekte leben von kontinuierlicher Arbeit, hauptamtlicher Koordination und verlässlichen Anlaufstellen. Mit einer maximalen Förderung von 30.000 Euro lassen sich solche Strukturen kaum aufrechterhalten. Besonders im ländlichen Raum droht damit der Verlust wichtiger Angebote“, erklärt Angela Müller (Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.), Sprecherin des Netzwerks Tolerantes Sachsen.

Zusätzliche Unsicherheit entsteht durch den bislang noch nicht gestarteten Antragsprozess. Bisher mussten die Träger immer bis Ende Juli ihre Anträge für das Folgejahr einreichen. Obwohl die neue Richtlinie bereits veröffentlicht wurde, können bislang keine Förderanträge gestellt werden. Die Sächsische Aufbaubank (SAB) verweist auf ihrer Website lediglich darauf, dass an der digitalen Umsetzung der Richtlinie „mit Hochdruck“ gearbeitet werde.

„Die Träger brauchen jetzt Planungssicherheit. Sie müssen Personal halten, Mietverträge abschließen und ihre Angebote für das kommende Jahr vorbereiten. Solange unklar ist, wann Anträge gestellt werden können, wächst die Unsicherheit – und das gefährdet bewährte Integrationsangebote“, erklärt Joschka Fuchs (Augen auf e.V.), Sprecher des Netzwerks Tolerantes Sachsen.

Kritisch sieht das Netzwerk außerdem die stärkere Betonung ehrenamtlichen Engagements bei Patenschafts- und Mentoringprojekten. Ehrenamt sei eine unverzichtbare Säule der Integrationsarbeit, könne professionelle Begleitung und Koordination jedoch nicht ersetzen.

„Integration ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Ehrenamtliche leisten einen unschätzbaren Beitrag, brauchen aber professionelle Strukturen, die sie unterstützen und koordinieren. Das Sächsische Integrations- und Teilhabegesetz formuliert mit der migrationsgesellschaftlichen Öffnung einen anspruchsvollen Auftrag. Dieser lässt sich nicht allein mit ehrenamtlichem Engagement erfüllen“, betont Andrea Hübler (RAA Sachsen e.V.), ebenfalls Sprecherin des Netzwerks.

Die neue Förderrichtlinie orientiert sich eng an § 10 des Sächsischen Integrations- und Teilhabegesetzes. Aus Sicht des Netzwerks müssen den dort formulierten Zielen jedoch auch ausreichende finanzielle Mittel folgen.

„Wer Integration stärken will, muss die zivilgesellschaftlichen Träger stärken, die diese Arbeit täglich leisten. Gute Gesetze allein reichen nicht – sie müssen auch mit einer Förderung hinterlegt werden, die nachhaltige Strukturen ermöglicht“, so Netzwerk-Sprecherin Doritta Korte (colorido e.V.) abschließend.


Das Netzwerk Tolerantes Sachsen ist ein Zusammenschluss von mehr als 160 sächsischen Initiativen, Vereinen und Organisationen, die sich für die Förderung demokratischer Kultur und gegen Einstellungen der Ungleichwertigkeit, Antisemitismus und Rassismus einsetzen. Aktuell wird die Arbeit des Netzwerks über das Programm „Weltoffenes Sachsen für Demokratie und Toleranz“ als Fachnetzwerk zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Akteure der Demokratiearbeit gefördert.

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