SFR-Newsletter Vol. 04/2026

Leipzig, 30.10.2026

Liebe Leser*innen,

wie versprochen melden wir uns Ende Oktober mit einer neuen Ausgabe unseres Newsletters zurück. Halloween steht vor der Tür – oder, wie unsere englischsprachigen Freund*innen sagen würden: Es ist Spooky Season! Und ehrlich gesagt waren die vergangenen Monate für uns nicht nur arbeitsreich, sondern auch mit einigen ziemlich beunruhigenden Entwicklungen verbunden.

Trotzdem möchten wir uns in dieser Ausgabe bewusst nicht ausschließlich auf das Negative konzentrieren. Denn gerade wenn man sich täglich mit Flucht, Migration und Asyl beschäftigt, gibt es mehr als genug schlechte Nachrichten. Umso wichtiger ist es, auch Erfolge sichtbar zu machen, über neue Möglichkeiten zu informieren und Geschichten zu teilen, die Mut machen.

Also, ohne weitere Umschweife: Hier kommen unsere Themen!


1. Ein Abend voller Solidarität: Unser Konzert in Dresden

Am Freitag, den 23. Oktober, haben wir im Dresdner Ostpol ein Soli-Konzert im Rahmen unserer Spendenkampagne für 2026 veranstaltet. Mit der Kampagne sammeln wir Geld, um die Fortführung der Unabhängigen Asylberatung an unseren Standorten in Leipzig und Dresden zu ermöglichen.

Plakat für Sloikonzert in Dresden am 23.10.26 mit QR Code.

Ehrlich gesagt sind wir ohne große Erwartungen in diesen Abend gestartet. Für die meisten von uns war es das erste Mal, ein solches Konzert zu organisieren. Nach Wochen intensiver Vorbereitung wussten wir schlicht nicht, was dabei herauskommen würde.

Und was für ein Abend das war!

Wir haben über 2.800 Euro gesammelt und mehr als 100 Gäste im Ostpol begrüßt. Vor allem aber haben wir erlebt, dass Solidarität lebt und es viele Menschen gibt, die bereit sind, sich für unsere Anliegen einzusetzen und uns ganz konkret zu unterstützen.

Dafür möchten wir uns bei allen bedanken, die diesen Abend möglich gemacht haben: bei allen Gästen, die ihren Freitagabend mit uns verbracht, ein Ticket gekauft und damit unsere Arbeit unterstützt haben; bei den Bands, die unserem Aufruf gefolgt sind und kostenlos für uns gespielt haben; und beim Team des Ostpols, das uns bei der Organisation unterstützt und dem Konzert einen Ort gegeben hat.

Ein riesiges Dankeschön geht auch an alle Menschen innerhalb und außerhalb des Sächsischen Flüchtlingsrats, die ihre Zeit, Energie, Ideen und Fähigkeiten eingebracht haben.

Solche Momente sind wichtig. Sie zeigen uns, dass Menschen auch in schwierigen Zeiten zusammenkommen und Solidarität in konkretes Handeln übersetzen können. Dieses Gefühl und das großartige Ergebnis nehmen wir mit – und freuen uns schon darauf, in Zukunft weitere Veranstaltungen dieser Art auf die Beine zu stellen.

Danke, dass ihr Teil davon seid!


2. Willkommen im Vorstand, Martha Ninov!

Am Samstag, den 24. Oktober, fand unsere jährliche Mitgliederversammlung statt. Neben dem Rückblick auf unsere Arbeit und den Austausch mit unseren Mitgliedern stand auch die Wahl eines neuen Vorstandsmitglieds auf der Tagesordnung.

Wir gratulieren Martha Ninov herzlich zu ihrer Wahl! Martha ist Rechtsanwältin in Dresden und auf Migrationsrecht sowie Bleiberecht spezialisiert. Wir freuen uns sehr, eine Person mit so wertvoller fachlicher Expertise in unserem Vorstand begrüßen zu dürfen, und freuen uns auf die Zusammenarbeit.

Gleichzeitig bedeutet diese Veränderung auch, Abschied zu nehmen: Dajana Strunz scheidet aus dem Vorstand aus. Wir möchten uns herzlich für ihr Engagement und ihre wichtige Arbeit für den Sächsischen Flüchtlingsrat in den vergangenen Jahren bedanken.

Danke, Dajana, für deine Zeit, deine Energie und alles, was du in unsere gemeinsame Arbeit eingebracht hast. Wir hoffen, dass sich unsere Wege auch in Zukunft wieder kreuzen werden.

Wir freuen uns auf das neue Kapitel in unserem Vorstand und darauf, uns weiterhin gemeinsam für die Rechte von Geflüchteten in Sachsen einzusetzen.


3. Neues Projekt beim SFR: JUST IN TIME

Seit Kurzem setzt der Sächsische Flüchtlingsrat gemeinsam mit der Diakonie Hessen und dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften das Projekt „JUST IN TIME” zur Förderung der Arbeitsmarktintegration um. Der Fokus liegt dabei auf unbegleiteten Minderjährigen und jungen Geflüchteten bis 27 Jahre. Das Projekt wird von der Integrationsbeauftragten der Bundesregierung gefördert. Ein zentraler Baustein des Projekts ist eine kostenfreie Online-Schulungsreihe für Fachkräfte aus Jugendämtern, Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe, Vormundschaften und Beratungsstellen in Sachsen. Anmeldungen sind weiterhin möglich.

Trotz großer Integrationsbemühungen kann der Aufenthalt junger Geflüchteter in Deutschland manchmal nicht langfristig gesichert werden. In diesen Fällen kann die freiwillige Ausreise und spätere Wiedereinreise mit Visum unter Umständen eine Option sein.  Mit seinem Beratungsangebot re:start bietet das Projekt „JUST IN TIME” ab sofort eine zentrale Anlaufstelle für junge Geflüchtete aus Sachsen, die aktuell nicht über ein Aufenthaltsrecht in Deutschland verfügen, aber eine Perspektive auf eine legale Wiedereinreise mit Visum für Ausbildung, Studium oder Beschäftigung haben. 


4. Robert Azirovic braucht eure Unterstützung: 32 Jahre in Deutschland – und noch immer ohne echte Perspektive

Foto: Robert Azirovic

Einige von euch kennen Robert vielleicht bereits aus unserer früheren Berichterstattung über seinen Kampf mit der deutschen Bürokratie.

Robert A. lebt in Deutschland, seit er ein Säugling war. Seit seiner Volljährigkeit ist er von Abschiebung bedroht. Im Juli 2024 kam es sogar zu einem Abschiebeversuch nach Serbien – einem Land, in dem er noch nie war und dessen Sprache er nicht spricht.

Obwohl Robert eine Ausbildung zum Masseur und medizinischen Bademeister abgeschlossen hat, darf er weder reisen noch arbeiten. Eine Arbeitserlaubnis wurde ihm wiederholt verweigert.

Ihr könnt Robert unterstützen:

  • Teilt den Spendenaufruf.
  • Veröffentlicht selbst eine Story oder einen Beitrag, um auf seinen Fall aufmerksam zu machen.
  • Unterstützt ihn mit einer direkten Spende.

Jede Unterstützung hilft dabei, Roberts Situation sichtbarer zu machen und seine Perspektiven zu verbessern.

Vielen Dank, dass ihr euch solidarisch zeigt!


5. Eine wichtige Erinnerung: Warum unsere Abschiebemonitoring so wichtig ist

Abschiebungen sind in Deutschland zunehmend Thema öffentlicher Debatten. Besonders besorgniserregend ist, dass Menschen inzwischen auch in Länder wie Afghanistan und Syrien sowie in weitere Länder abgeschoben werden, in denen Krieg herrscht oder die Sicherheit der Betroffenen nicht gewährleistet werden kann.

Gleichzeitig bleiben Informationen darüber, wer konkret abgeschoben wird, häufig unzugänglich. Organisationen wie der Sächsische Flüchtlingsrat haben keinen direkten Zugang zu Abschiebelisten. Dadurch bleibt für die Öffentlichkeit weitgehend unsichtbar, wer tatsächlich in den Abschiebeflugzeugen sitzt.

Politisch wird häufig der Eindruck vermittelt, Abschiebungen beträfen vor allem Straftäter*innen. Unsere Erfahrungen zeigen jedoch, dass dieses Bild unvollständig ist: Auch Menschen, die gut integriert sind, einer festen Arbeit nachgehen und sich längst ein Leben in Deutschland aufgebaut haben, können von Abschiebungen betroffen sein.

Ein Beispiel dafür ist Luis aus Leipzig. Er wurde nach Venezuela abgeschoben, obwohl er einen unbefristeten Vollzeitarbeitsvertrag hatte und bereits einen Termin bei der Ausländerbehörde vereinbart hatte, um eine reguläre Aufenthaltserlaubnis anstelle seiner Duldung zu erhalten. Sein Fall zeigt, wie schnell Menschen aus ihrem etablierten Lebensumfeld gerissen werden können.

Genau deshalb ist unsere Abschiebemonitoring so wichtig.

Wir möchten euch ermutigen, Informationen über Abschiebungen mit uns zu teilen. Wurde jemand abgeschoben, den ihr kennt – ein Freund, eine Angehörige, ein Nachbar, eine Kollegin oder jemand, dessen Weg euren gekreuzt hat? Dann meldet euch bitte bei uns.

Jede Meldung hilft uns, ein genaueres Bild davon zu bekommen, was in Sachsen geschieht. Durch die Dokumentation einzelner Fälle können wir Entwicklungen besser nachvollziehen, mögliche Menschenrechts- und Rechtsverletzungen sichtbar machen und staatliches Handeln kritisch begleiten.

Um noch mehr Menschen auf unsere Arbeit aufmerksam zu machen, haben wir unser Plakat mit dem Aufruf zur Meldung von Abschiebungsfällen neu gestaltet.

Hier findet ihr das Plakat zum Download.

Ladet es herunter, teilt es in euren sozialen Netzwerken oder hängt es – wo erlaubt – im öffentlichen Raum auf. Je mehr Menschen von unserer Abschiebemonitoring erfahren, desto besser können wir dokumentieren, was passiert, und die betroffenen Menschen und ihre Geschichten sichtbar machen.

Vielen Dank, dass ihr uns dabei unterstützt, hinzuschauen, aufzuklären und uns gemeinsam für Menschenrechte in Sachsen einzusetzen!


Das war’s für diese Ausgabe!

Wir wissen: Dieser Newsletter ist etwas länger geworden. Danke, dass ihr bis zum Ende dabei geblieben seid! Wir hoffen, dass ihr einige interessante, hilfreiche oder ermutigende Informationen mitnehmen konntet.

Wenn ihr auf dem Laufenden bleiben möchtet, folgt uns auf Instagram, Bluesky und TikTok und schaut regelmäßig auf unserer Website vorbei. Dort findet ihr weitere Informationen zu unseren Aktivitäten, Veranstaltungen und Kampagnen.

Und jetzt verabschieden wir uns, um uns dem Wochenende zu widmen. Während einige von uns noch an den Halloween-Kostümen ihrer Kinder basteln, zieht es andere vielleicht in die nächste Bäckerei, um ein frisch gebackenes Reformationsbrötchen zu holen. Letzteres können wir übrigens ebenfalls wärmstens empfehlen. Denn auch engagierte Menschen brauchen hin und wieder eine Pause – und guter süßer Snack!

Herzliche Grüße

Serhii
im Namen des Sächsischen Flüchtlingsrats

Teile diesen Beitrag: