Leipzig, 31.08.2026
Liebe Leser*innen,
was für einen Sommer haben wir gerade hinter uns:
Zahlreiche Hitzewellen – checked✅.
Historische Dürren – checked✅.
Totale Sonnen- und Mondfinsternisse – checked✅.
Die Welt scheint verrückt zu spielen. Und dann ist da noch die ständige Anspannung angesichts der bevorstehenden Landtagswahl im benachbarten Sachsen-Anhalt.
Und trotz alledem haben wir weitergearbeitet! Hinter uns liegen einige intensive Monate und wir melden uns mit einer neuen Ausgabe unseres Newsletters zurück.
Also, without further ado: Hier kommt unser Bericht.
1. Spendenkampagne „Recht braucht Beratung“ geht weiter!

Wie ihr vielleicht aus unserem letzten Newsletter wisst, haben wir unsere Spendenkampagne „Recht braucht Beratung“ gestartet. Ziel ist es, die Finanzierung der unabhängigen Asylverfahrensberatung langfristig zu sichern.
Seit Juni haben wir dazu zahlreiche Aktivitäten und öffentlichkeitswirksame Maßnahmen durchgeführt:
- Gemeinsam mit vielen weiteren zivilgesellschaftlichen Organisationen in Sachsen haben wir den offenen Brief „Nein zum Förderaus der Asylverfahrensberatung!“ vorbereitet und veröffentlicht.
- Wir waren zu Gast bei Radio Blau in Leipzig und haben die wichtigsten Fragen rund um die unabhängige Asylverfahrensberatung beantwortet.
- Auf unseren Social-Media-Kanälen haben wir zahlreiche Beiträge zu diesem Thema veröffentlicht.
Aber das ist erst der Anfang – und wir haben noch einiges für euch vorbereitet!
Save the Date #1: 23.10.2026 – SOLIKONZERT im Ostpol, Dresden. 35 Jahre Sächsischer Flüchtlingsrat
In diesem Herbst feiert der Sächsische Flüchtlingsrat sein 35-jähriges Bestehen. Seit 35 Jahren setzen wir uns für die Rechte von Menschen ein, denen der Zugang zu ihren Rechten allzu oft verwehrt wird, und leisten einen Beitrag zur Zivilgesellschaft in Sachsen.
Jetzt brauchen wir auch ein wenig Unterstützung von der Zivilgesellschaft zurück. Deshalb organisieren wir etwas Besonderes – und ihr erfahrt es hier zuerst!
Am 23. Oktober 2026 laden wir zu einem großen Benefizkonzert im Ostpol mitten in der Dresdner Neustadt ein.
Weitere Informationen folgen in den nächsten Tagen!
Save the Date #2 : Gemeinsam gegen Kürzungen. 03.09.2026, 16:30 Uhr, Carolaplatz, Dresden!
Außerdem beteiligen wir uns an der kommenden Protestaktion des Bündnisses gegen Kürzungen in Dresden, um auf die Bedeutung der unabhängigen Asylverfahrensberatung aufmerksam zu machen.
Für alle aus Dresden und Umgebung heißt es daher noch einmal:
Wir sehen uns dort!
Und keine Sorge: In den kommenden Wochen folgen noch weitere Social-Media-Beiträge und größere Medienberichte. Bleibt also auf unseren Kanälen auf dem Laufenden – auf Instagram, Bluesky, TikTok und sogar Facebook (Inklusivität ist schließlich wichtig!).
Und vergesst nicht: Eure Unterstützung wird dringend gebraucht und ist für uns von großem Wert.
2. Stellungnahme zum geplanten Sekundärmigrationszentrum in Dresden

Am 22. Juli 2026 hat der Sächsische Flüchtlingsrat eine Stellungnahme zur geplanten Einrichtung eines sogenannten Sekundärmigrationszentrums in Dresden veröffentlicht.
Wir sehen das Vorhaben mit großer Sorge. Insbesondere eine längerfristige Unterbringung unter restriktiven Bedingungen, Einschränkungen der Bewegungsfreiheit sowie ein erschwerter Zugang zu Beratung, Unterstützung und Integrationsangeboten werfen erhebliche verfassungs-, unions- und menschenrechtliche Fragen auf.
Unterbringung darf nicht als Instrument der migrationspolitischen Abschreckung eingesetzt werden. Gerade für besonders schutzbedürftige Menschen können langfristige und isolierte Unterbringungsformen zudem erhebliche psychische Belastungen verursachen und den Zugang zu ihren Rechten erschweren.
Jede Unterbringung von Asylsuchenden muss sich an der Menschenwürde sowie an verfassungs-, unions- und menschenrechtlichen Standards messen lassen.
👉 Die vollständige Stellungnahme: Stellungnahme zur Errichtung eines sogenannten Sekundärmigrationszentrums in Sachsen
3. Bring Back Our Neighbours: Der neue Notfallkoffer zu Abschiebungen

Im Rahmen der Kampagne „Bring Back Our Neighbours“ ist eine umfangreiche Informationsplattform zum Thema Abschiebungen online gegangen: bringbackourneighbours.de.
Die Website richtet sich insbesondere an Menschen, die von einer Abschiebung bedroht sind, sowie an ehrenamtliche Unterstützer:innen und Fachkräfte. Sie bietet einen schnellen Überblick über wichtige rechtliche und praktische Informationen und zeigt, was im Falle einer drohenden Abschiebung getan werden kann.
Der sogenannte „Notfallkoffer“ bündelt die wichtigsten Informationen in einer Broschüre. Zusätzlich stehen elf thematische Flyer – vom Asylverfahren bis zur Abschiebehaft – zur Verfügung. Alle Materialien sind inzwischen in neun Sprachen verfügbar und können digital geteilt, ausgedruckt und verteilt werden.
Die Informationen richten sich zunächst vor allem an Sachsen, vieles ist jedoch auch bundesweit relevant. Auf der Website finden sich außerdem Kontakte zu Beratungsstellen, Behörden, Gerichten und politischen Verantwortlichen, Vorlagen zum Ausdrucken sowie Themenseiten zu einzelnen Herkunftsländern und zur GEAS-Reform.
Für Beratungsstellen, Büros und Infostände stehen Plakate mit QR-Codes bereit. Auch Visitenkarten können bestellt werden, um auf den Notfallkoffer aufmerksam zu machen.
Das Projekt freut sich über weitere Mitstreiter:innen – insbesondere Menschen mit Übersetzungskenntnissen, rechtlichem oder praktischem Wissen im Migrationsrecht oder Erfahrung mit Webprogrammierung. Aktuell wird Unterstützung bei der Korrektur der spanischen Übersetzung gesucht. Ab Herbst 2026 sollen außerdem die umfangreichen Änderungen durch die GEAS-Reform in die Materialien eingearbeitet werden.
Der Notfallkoffer wurde zunächst für Sachsen entwickelt. Die Initiator:innen freuen sich aber ausdrücklich über Unterstützung aus anderen Bundesländern, um das Projekt gemeinsam weiterzuentwickeln.
👉 Alle Materialien und weitere Informationen: bringbackourneighbours.de
Das Projekt wird vollständig ehrenamtlich getragen und freut sich über Unterstützung durch Spenden oder aktive Mitarbeit.
4. Bewerbung & Jobsuche – Schritt für Schritt in Arbeit

Am 19. August 2026 fand im Fachinformationszentrum Zwickau der erste Workshop des Projekts „Sie weiß Bescheid. Orientierung und Unterstützung für Frauen mit Migrationserfahrung – Schritt für Schritt in Arbeit und Teilhabe“ statt.
Im Mittelpunkt des praxisorientierten Workshops standen die Erstellung und Verbesserung von Bewerbungsunterlagen, die Suche nach passenden Stellenangeboten sowie die Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche. Dabei arbeiteten die neun Teilnehmerinnen mit konkreten Stellenanzeigen, übten, ihre eigenen Fähigkeiten und Interessen gezielt einzusetzen, und erhielten praktische Tipps für Bewerbungen am Computer sowie für die digitale Übermittlung von Bewerbungsunterlagen.
Neben den praktischen Übungen bot der Workshop Raum für gegenseitigen Austausch und individuelle Fragen. So konnten die Teilnehmerinnen in einem geschützten Rahmen ihre Erfahrungen teilen und mehr Sicherheit für ihren eigenen Weg in Arbeit gewinnen.
Der nächste Workshop ist bereits geplant: Am 10. September 2026 von 10:00 bis 14:00 Uhr haben interessierte Frauen erneut die Möglichkeit, sich praxisnah mit den Themen Bewerbung und Jobsuche auseinanderzusetzen.
Der Workshop findet am Fachberatungsstandort Fachinformationszentrum Zuwanderung Zwickau, Neumarkt 1, 08056 Zwickau statt. Die Teilnahme ist kostenlos. Da die Zahl der Teilnehmerinnen begrenzt ist, bitten wir um eine vorherige Anmeldung per E-Mail an sieweissbescheid@sfrev.de.
5. RESQUE: Fachtag „Prekär oder fair?“ in Erfurt

Am 10. September 2026 findet in Erfurt der regionale Fachtag „Prekär oder fair? Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten zwischen Fortschritt und Restriktionen“ statt.
Der Fachtag wird vom RESQUE-Projektteam gemeinsam mit den WIR-Netzwerken aus Thüringen und Sachsen-Anhalt organisiert. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie die Arbeitsmarktintegration von Geflüchteten aktuell gestaltet ist – zwischen den Fortschritten der vergangenen Jahre und neuen bzw. bestehenden rechtlichen, bürokratischen und strukturellen Hürden.
Gemeinsam mit Fachkräften, Beratungsstellen, Arbeitgeber:innen und weiteren Akteur:innen soll diskutiert werden, was bereits funktioniert, wo weiterhin Handlungsbedarf besteht und wie faire und nachhaltige Zugänge zum Arbeitsmarkt geschaffen werden können.
Der Fachtag bietet außerdem Raum für Austausch, Vernetzung und die gemeinsame Entwicklung von Perspektiven für die praktische Arbeit.
👉 Weitere Informationen und Anmeldung: Fachtag „Prekär oder fair?“
6. Menschlichkeit kennt keine Grenzen: Wir suchen eure Geschichten

Integration beginnt nicht immer mit einem Sprachkurs, einer Beratung oder einem Behördentermin. Manchmal beginnt sie mit einem Menschen, der einfach da ist.
Die Geschichte von Fateme Hosseini über ihre Ankunft in Deutschland und eine Frau, die sie und ihre Kinder über viele Jahre begleitet hat, hat uns besonders berührt. Sie zeigt, wie wichtig persönliche Beziehungen, Vertrauen und gegenseitige Unterstützung für das Ankommen sein können.
Deshalb möchten wir mehr solcher Geschichten sichtbar machen.
Wir suchen Geschichten aus Sachsen
Wenn über Migration und Integration gesprochen wird, dominieren oft negative Schlagzeilen. Wir möchten dem Geschichten von Begegnung, Unterstützung, Freundschaft und Zusammenhalt entgegensetzen.
Kennst du Menschen, die anderen das Ankommen erleichtert haben? Vielleicht durch jahrelange Unterstützung, eine Freundschaft, gute Nachbarschaft, gemeinsame Aktivitäten oder einfach durch eine kleine Geste im richtigen Moment?
Dann erzähl uns davon!
Wir möchten Geschichten aus Sachsen kennenlernen und – selbstverständlich nur mit dem Einverständnis der Beteiligten – über unsere Kanäle sichtbar machen.
📩 Schreibt uns an: pr@sfrev.de
Denn Integration ist nicht nur eine politische Aufgabe.
Sie entsteht auch dort, wo Menschen füreinander da sind.
👉 Die Geschichte von Fateme Hosseini lesen: „Menschlichkeit kennt keine Grenzen – Warum meine Ankunft in Deutschland gelang“
Ausgewählte Publikationen
Süddeutsche Zeitung, 29.07.2026 – „Integration durch Arbeit: Mensa-Projekt soll Schule machen“
Ein Dresdner Beschäftigungsprojekt ermöglicht geflüchteten Frauen den Einstieg in die Arbeit im Studentenwerk und zeigt, wie Arbeitsmarktintegration praktisch gelingen kann. Das Beispiel macht deutlich, dass engagierte Arbeitgeber, weniger bürokratische Hürden und der Arbeitsplatz selbst wichtige Voraussetzungen für Integration und Spracherwerb sein können.
Katapult Sachsen, 09.08.2026 – „Dresdens neues Sekundärmigrationszentrum stößt auf Kritik“
Der Artikel beleuchtet das neue Sekundärmigrationszentrum in Dresden als Teil der verschärften sächsischen Umsetzung der europäischen Asylpolitik und stellt die Positionen der Landesregierung den Bedenken von Flüchtlingsorganisationen gegenüber. Kritisiert werden insbesondere mögliche Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und die psychischen Belastungen einer längerfristigen, restriktiven Unterbringung.
Der Beitrag stellt das seit Juli bestehende Sekundärmigrationszentrum in Sachsen vor und beleuchtet unterschiedliche politische Ansätze zur Unterbringung von Menschen, für deren Asylverfahren ein anderer EU-Staat zuständig ist. Der Sächsische Flüchtlingsrat kritisiert die Einrichtungen als haftähnlich und warnt vor Einschränkungen der Bewegungsfreiheit, Isolation sowie möglichen Beeinträchtigungen von Menschenrechten und Menschenwürde.
Eine bundesweite Umfrage unter Beratenden zeigt, dass Verzögerungen bei der Verlängerung von Aufenthaltsgestattungen und Duldungen häufig zu mehrwöchigen oder sogar mehrmonatigen Lücken führen. Dadurch werden Arbeitsverhältnisse und Ausbildungen gefährdet oder können gar nicht erst aufgenommen werden – die WIR-Netzwerke fordern deshalb einheitliche, transparente und zugängliche Verfahren bei den Ausländerbehörden.
Bis zur nächsten Ausgabe!
So, liebe Leser:innen, das war’s für diese Ausgabe unseres Newsletters.
Vielen Dank für eure Aufmerksamkeit! Alle Neuigkeiten rund um den Sächsischen Flüchtlingsrat findet ihr wie immer auf unserer Website und unseren Social-Media-Kanälen.
Die nächste Ausgabe unseres Newsletters erwartet euch Ende Oktober.
Passt auf euch auf und bleibt solidarisch!
Herzliche Grüße
Serhii
im Namen des Sächsischen Flüchtlingsrats e. V.
P.S. Und jetzt muss ich schnell in die Küche – heute bin ich im Leipziger Büro mit dem Mittagessen dran. Auf dem Menü steht: Kürbisrisotto! 🎃
Bildquellen
- : (c) Fateme Hosseini


