PM: Im Landkreis Bautzen werden Menschen ohne Rücksicht auf Verluste transferiert

Pläne des Landratsamts, Menschen aus Neukirch zu verlegen, rufen harsche Kritik hervor

Gemeinsame PM des Helferkreis Neukirch/Bautzen bleibt Bunt & SFR e.V.: In Neukirch im Landkreis Bautzen soll die Gemeinschaftsunterkunft geschlossen werden. Gespräche zwischen Unterstützer*innen der Untergebrachten und dem Landratsamt gab es, vorgeblich wurden ihre Argumente gehört. Nun die Entscheidung: spätestens am 25. April sollen alle Geflüchteten teils an kilometerweit entfernten Orten leben. Das ist ein Einschnitt in ihr Leben. Der Einsatz der Ehrenamtlichen wird mit Ignoranz gestraft. Den nun aufkommenden Widerstand hätte das Landratsamt erwarten müssen. Allein schon wegen der stattgefundenen Gespräche, nicht zuletzt aber auch, weil auch der Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge im vergangenen Jahr ähnliche Pläne zum Teil revidieren musste.

„Das ist ein wahnsinniger Einschnitt ins Leben der Neukircher Geflüchteten. Sie sind längst angekommen, sie gehören hierher! Es ist ja nicht nur so, dass Freundschaften und vertrauensvolle Beratungsverhältnisse drohen zu brechen. Die Menschen haben beträchtliche Fortschritte bei der Arbeitsplatzsuche hingelegt. Die sollen jetzt alle über den Haufen geworfen werden!“ Bruno Rössel kann es nicht fassen. Nach wochenlangen Verhandlungen mit dem Landkreis Bautzen haben die Aktiven vom Helferkreis Neukirch, der dem Bündnis Bautzen bleibt Bunt nahesteht, nun erfahren, dass die etwa 70 Neukirchener Geflüchteten alle verlegt werden sollen. Selbst jene, die im Ort arbeiten oder sich in Ausbildung befinden beziehungsweise kurz davor stehen. Alle Bestrebungen, die Schutzsuchenden beim Ankommen zu unterstützen, sollen nun für die Katz sein, die Gemeinschaftsunterkunft Neukirch soll geschlossen werden.

Bautzener Landkreis beharrt auf Integrationsverweigerung

Bautzen, Wehrsdorf, Kamenz, selbst Hoyerswerda – das sollen die neuen Orte sein, an denen die Menschen leben werden. „Zwischen Neukirch und Hoyerswerda liegen 50 Kilometer. Einem der hier Untergebrachten hat ein Betrieb eine Ausbildung in Aussicht gestellt. Wie soll er denn jeden Tag hin und zurückkommen?“ Nicht die einzige Frage, die sich Rössel stellt. Viele der volljährigen Geflüchteten im Ort sind in Arbeit, absolvieren ein Praktikum oder die Abendschule. Die ignorante Beharrlichkeit des Landratsamts in der ganzen Angelegenheit läuft jeglichem Integrationsgedanken zuwider. Angebote von alteingesessenen Bürger*innen, Geflüchtete privat bei sich aufzunehmen, wurden ohne mit der Wimper zu zucken, ausgeschlagen. „Sonderlösungen“ werde es nicht geben, hieß es von offizieller Seite, private Unterbringung „verursache nur Probleme.“ Rössel: „Wir verstehen das nicht. Absolut nicht! Wir hoffen noch auf Vermittlung durch die Staatsministerin für Gleichstellung und Integration Petra Köpping. Wir hatten sie schon vergangene Woche über die Vorgänge informiert. Wir bedauern feststellen zu müssen, dass unser Misstrauen gegenüber dem Landkreis berechtigt war.“

Kommunen müssen mit diesen urplötzlichen Transfers endlich aufhören!

Auch beim SFR e.V. stößt das Vorgehen des Landratsamts auf Unverständnis, Mark Gärtner für den Verein: „Sowas ist unbegreiflich, denn schließlich ist bekannt, welche Auswirkungen eine solche Praxis auf die Situation Geflüchteter hat. Urplötzliche und geradezu brutale Transfers gab es bereits im August letzten Jahres im Landkreis Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge. Der Widerstand von Seiten der Unterstützer*innen und Ehrenamtlichen folgte auf dem Fuße. Dort wurde wenigstens noch bei einigen Härtefällen eine verträgliche Lösung gefunden.“ Auch in Görlitz kam es zu solcherlei Transfers über Kilometer hinweg. Nun folgt Bautzen und reiht sich ein in die Liste der Kommunen, die Integration zunichte machen und Frustration produzieren. „Wahrscheinlich kommt der Landkreis nun wieder mit dem Argument der Kosten und den sinkenden Zahlen Neuankommender daher. Wenn aber wie in Neukirch allein schon drei Familien anbieten, Geflüchtete bei sich zu Hause unterzubringen, dann können hierfür doch ganz unbürokratische, regelrecht kostengünstige Lösungen gefunden werden.“ kommentiert Mark Gärtner vom Flüchtlingsrat. „Dezentrale Unterbringung ist in jeglicher Hinsicht von Vorteil hinsichtlich der Integration, der gesundheitlichen Stabilisierung wie der Kosten. Selbst dann, wenn in der Gemeinde keine solch uneigennützige Bereitschaft besteht wie in Neukirch. Das kann gar nicht oft genug wiederholt werden.“

Hier die gemeinsam mit der AG Asylsuchende Sächsische Schweiz/ Osterzgebirge e.V. veröffentlichte PM zu den Transfers im dortigen Landkreis vom 28. August 2017.

Kontakt
Helferkreis Neukirch/ Bautzen bleibt bunt
Bruno Rössel
Mobil: 0172 / 294 26 84

Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
-Öffentlichkeitsarbeit-
Mark Gärtner
Dammweg 4
01097 Dresden
Mobil: 0157 / 566 377 02
Mail: pr@sfrev.de