Solidaritätserklärung mit dem Netzwerk für Demokratische Kultur e.V.

Das Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. (NDK) engagiert sich seit fast 20 Jahren für eine Stärkung demokratischer Kultur in Wurzen und der Region. Als einer unserer
Mitgliedsvereine – des Entwicklungspolitischen Netzwerkes Sachsen – zeigt es deutlich,
dass es nicht nur wichtig ist, sich für Frieden und Gerechtigkeit global einzusetzen,
sondern auch konkret vor Ort. Rassismus ist nirgendwo tolerierbar und es braucht mehr
denn je Menschen und Initiativen, die sich für würdiges Miteinander einsetzen.
In den 1990er Jahren stand Wurzen unter anderem als „National befreite Zone“
bundesweit in den Schlagzeilen. Damals schufen sich junge Menschen, die von der
Dominanz neonazistischer Akteure in ihrer Stadt betroffen waren, einen Raum für eigene
Ideen, Austausch und Beteiligung – einen Raum, in dem demokratische Werte wie
Meinungsfreiheit, Offenheit und Menschenrechte Grundlage des gemeinsamen Handelns
waren und bis heute sind.

In den vergangenen Jahren entwickelte das Netzwerk für Demokratische Kultur e.V. eine
vielfältige Arbeit, die von kulturellen Veranstaltungen über thematische Podien und
Vorträge bis zu Beratung und Bildungsveranstaltungen reicht. Zentrales Anliegen war und ist die Förderung von Bürger*innenengagement. Zentrales Anliegen war und ist ebenso die aktive Auseinandersetzung mit der rechtsextremen/neonazistischen Szene in Wurzen und darüber hinaus. Dazu gehört die Dokumentation von Vorfällen mit
menschenfeindlichem und/oder rassistischem Hintergrund.

Wenn Menschenrechte missachtet werden, gegen Gruppen von Menschen offen gehetzt
oder gar Gewalt ausgeübt wird, Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe, Herkunft oder
Religion diskriminiert werden, tritt das Netzwerk für Demokratische Kultur dem
entschieden entgegen und macht diese Vorfälle öffentlich. Dahinter steht die
Überzeugung, dass eine Auseinandersetzung und Bearbeitung nur auf der Basis einer
klaren Problembeschreibung möglich ist. Seit seinem Bestehen ist das Netzwerk für
Demokratische Kultur leider immer wieder aus Teilen der Stadtgesellschaft in Wurzen
diskreditiert worden.

Nun nehmen seit Monaten diese verbalen Angriffe, die mit konstruktiver Kritik nichts mehr zu tun haben, massiv zu, sei es per E-Mail, über Veröffentlichungen in den sozialen
Medien, auf Kundgebungen oder von Menschen auf der Straße. Auf Kundgebungen des
„Neuen Forums für Wurzen“(Bürgerinitiative aus Wurzen) wirdöffentlich dazu aufgerufen,
dem Netzwerk für Demokratische Kultur die finanziellen Mittel zu entziehen und dafür zu
sorgen, dass dessen Tätigkeit eingestellt wird. Menschen aus der Stadtgesellschaft, die
das Netzwerk für Demokratische Kultur unterstützen, werden inzwischen verbal
angegriffen.

Den Höhepunkt erreichten solche Anfeindungen nach den Anschlägen auf zwei Gaststätten in Wurzen, deren Inhaber im Vorstand des „Neuen Forums für Wurzen“ sind.
Das Netzwerk für Demokratische Kultur distanzierte sich öffentlich und klar von den
Anschlägen. Trotzdem machte der Vorstandsvorsitzende des „Neuen Forums für Wurzen“
das Netzwerk für Demokratische Kultur öffentlich zumindest indirekt verantwortlich. Das
heizte die Stimmung weiter auf.

Wir wissen, wie schwer es ist, sich trotz Anfeindungen und zum Teil sehr persönlicher
Bedrohungen mutig für die Rechte marginalisierter Menschen einzusetzen. Wir wissen
auch, wie wichtig und unverzichtbar dieses Engagement ist. Daher möchten wir alle und
besonders das Netzwerk für Demokratische Kultur darin bestärken! Zu einer pluralen
Demokratie gehört der Respekt vor anderen Meinungen, solange diese nicht pauschal
Menschen aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion oder ihrer sozialen
Stellung abwerten oder in Gewalt münden. Das gilt auch und gerade für Menschen, die
auf die (alltags-)rassistischen Probleme in unserer Gesellschaft dezidiert hinweisen. Wenn dies nicht mehr möglich ist, entfernen wir uns immer weiter von unseren demokratischen Grundwerten.

Wir erklären uns hiermit solidarisch mit der Arbeit des Netzwerkes für Demokratische
Kultur in Wurzen und möchten es bestärken, auch weiterhin die Stimme friedlich, aber klar in der Sache zu erheben.

Wir distanzieren uns von der Strategie des Diskreditierens demokratischer Initiativen und
Vereine und fordern alle auf, denen eine streitbare demokratische Gesellschaft am Herzen liegt, sich dieser Erklärung anzuschließen.

Dresden, 23.04.2018, Entwicklungspolitisches Netzwerk Sachsen e.V.

Erstunterzeichner*innen:
• AG Umwelt/Stura der TU Freiberg
• Amadeu Antonio Stiftung
• Antidiskriminierungsbüro Sachsen e.V.
• Arbeiterwohlfahrt Landesverband Sachsen e.V.
• Arbeitsstelle Eine Welt in der Ev. Luth. Landeskirche Sachsens
• arche noVa e.V., Dresden
• Attac Dresden
• Ayni e.V
• Bündnis gegen Rassismus – für ein gerechtes und menschenwürdiges Sachsen
• chronik.LE
• Dokumentation und Analyse faschistischer, rassistischer und diskriminierender
Aktivitäten in und um Leipzig
• Conne Island (Projekt Verein e.V.)
• Courage – Werkstatt für demokratische Bildungsarbeit e.V.(Netzwerk für Demokratie
und Courage in Sachsen (NDC))
• Engagierte Wissenschaft e.V., Leipzig
• Freiberg.Grenzenlos e.V.
• LAG politisch-kulturelle Bildung Sachsen e. V. (pokuBi)
• Gedenkstätte für Zwangsarbeit Leipzig
• Initiative für mehr gesellschaftliche Verantwortung im Breitensport-Fußball Leipzig
(IVF Leipzig)
• Kinder- und Jugendring Landkreis Leipzig e.V
• Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V., Leipzig
• Kulturbüro Sachsen e.V.
• Netzwerk Tolerantes Sachsen
• Pax et bonum – Eine Welt Laden e.V., Bischofswerda
• Puschkinhaus Aue
• RAA Sachsen e.V.
• Sächsischer Flüchtlingsrat e.V.
• Schweizerhaus Puechau
• Stiftung Nord-Süd-Brücken
• Tierra – Eine Welt e.V., Görlitz
• TRADE FAIR! Freiberg eG
• VVN-BdA Leipzig e. V.
• Verband binationaler Familien und Partnerschaften, iaf e.V. – Geschäfts- und
Beratungsstelle Leipzig
• WIR – in einer Welt – Plauen/Vogtland e.V.
• WeltOffen e.V. – Gemeinsam Vielfalt Leben, Leipzig